Wetterextreme als Folge eines globalen Klimawandels?
Dieses Kapitel ist dem brandaktuellen Thema des Klimawandels gewidmet.
Befinden wir uns tatsächlich mitten in einem Klimawandel oder handelt es sich
bei der aktuellen Klimaänderung nur eine reversible Erscheinung?
Veränderte Rahmenbedigungen
Ein fiktives Beispiel: Nach den sintflutartigen Regenfällen in der Südalpenregion sowie
in Italien in den letzten Wochen sind sich wieder einmal
viele Menschen ganz sicher: Das war nicht normal
und kann wohl nur in Zusammenhang mit einer weltweiten
Klimaänderung zu erklären sein! Immerhin haben selbst
die Großeltern so etwas noch nicht erlebt, und das will
schon was heißen.
Aus der Sicht eines Meteorologen betrachtet bedeutet dies
alleine jedoch noch gar nichts. Aufgrund der recht komplexen
Struktur des Klimasystems Erde-Atmosphäre treten
einzelne regionale Extremereignisse (z.B. Stürme, Überschwemmungen,
Schwergewitter, Hagelschlag, Schneestürme,...)
von Zeit zu Zeit immer einmal wieder auf. Aber wie steht
es denn mit der vielzitierten Häufung von Extremereignissen
in den letzten Jahren und Jahrzehnten? Die Beantwortung
dieser Frage ist viel schwieriger und schneidet prinzipiell
sogar den Kern der modernen Klimaforschung an.
Foto: Mit rund 23 Kilometern Länge ist der Große Aletschgletscher immer noch
der längste Gletscher Westeuropas. Seine Oberfläche beträgt über
80 Quadratkilometer, und die Eisdicke beträgt am Konkordiaplatz bis zu 900 Meter.
Doch die Gletscher in den Alpen schrumpfen - seit Jahrzehnten.
Achtung - Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen
Bevor man aufwendige Modelle monatelang Millionen von
Rechenschritten durchführen läßt, sollte man klären,
ob denn tatsächlich überhaupt eine Häufung von
Extremereignissen bis dato existiert. Sie könnten jetzt
natürlich laut loslachen und sagen: "Meine Güte, hören
Sie denn keine Nachrichten? In der Karibik tobt doch schon
wieder ein Hurricane und richtet dort schwere
Verwüstungen an. Und in einem kleinen Dorf im amerikanischen
Bundesstaat Oklahoma hat letzte Woche ein schwerer
Tornado 5 Todesopfer gefordert!".
Aber wie hätten Sie
vor 100 Jahren auf dieselbe Frage reagiert?! Mal abgesehen davon,
daß Sie damals vermutlich noch nicht lebten,
so können Sie sich sicher sehr gut vorstellen, daß eine
solche Information niemals bei Ihnen zu Hause angekommen wäre.
Sie hätten vielleicht gerade in Ihrem Garten gesessen,
den Sonnenschein in Deutschland genossen und nicht eine
Sekunde an irgendeinen Wirbelsturm in der Karibik gedacht.
Und dieses Dorf in Oklahoma - es existierte vor 100 Jahren
ja noch gar nicht! Die Weltbevölkerung hat vor kurzem die 6
Milliarden überschritten! Wissen Sie, wieviel Menschen Mutter
Erde Anfang des 20. Jahrhunderts beherbergte? Es waren
weniger als 2 Milliarden! Da kann doch ein Tornado noch
so stark sein: Wenn da nichts (vom Menschen Geschaffenes)
zum Zerstören ist oder wenn da einfach kein Mensch herumläuft,
dann interessiert das doch überhaupt keinen! Und selbst wenn:
da war ja gar keine Presse vor Ort, die registrieren konnte,
daß da vielleicht doch 2 Kühe ums Leben gekommen sind.
Verläßliches Datenmaterial
Das Problem der Datenerfassung und der anschließenden Bewertung
der Rohdaten auf Verläßlichkeit ist in der Meteorologie
eines der größten Probleme, nicht nur für die
Modellierung. Als Beispiel stellen Sie sich einmal
eine Wetterstation vor, die seit mehr als 80 Jahren
ununterbrochen die Temperatur aufzeichnet. Sie sehen
sich die Temperaturkurve an und stellen fest, dass die
Temperatur von Beginn der Messung an bis heute im Jahresmittel
um satte 2°C angestiegen ist. Aber haben Sie auch bemerkt,
daß in derselben Zeit aus dem Dorf, in welchem die Wetterstation
steht, eine mittelgroße Stadt geworden ist, die die Messwerte zunehmend stark beeinflusst
(um nicht zu sagen verfälscht)?!
Alle oben angedeuteten Probleme und etliche weitere machen
den Meteorologen und Klimaforschern
ihren Job nicht leicht. Aber: wenn man all diese Einflüsse
gewissenhaft abschätzt und diese "bereinigten" Daten
als Validierung für Klimamodelle heranzieht, dann sollten
die Ergebnisse in gewissen Grenzen vertrauenswürdig sein.
Verfügbare (potentielle) Energie
Und genau auf dieser Vertrauensbasis (in die Daten und respektive
in die Modelle) beruhen heutige Prognosen der globalen
Mitteltemperatur, einer Größe, die entscheidend die
potentielle Energie der Erdatmosphäre bestimmt.
Diese höhere potentielle Energie liefert indirekt die Basis
für energiereichere und damit intensivere Wettererscheinungen,
wie z.B. auch Tornadobildungen.
Sollen jedoch stärkere Extremereignisse auftreten, so benötigt man neben
einer höheren potentiellen Energie auch höhere Potentialsprünge, so dass
das Mehr an Energie auch verfügbar wird.
Solche Potentialsprünge treten zum Beispiel an Frontalzonen auf. Es ist aber sehr schwer vorherzusagen, ob
der Anstieg der global gemittelten Temperatur tatsächlich auch zu höheren Potentialsprüngen
führt. Die Beantwortung dieser Kernfrage ist u.a. Gegenstand der aktuellen Klimaforschung.
Es gibt aber auch recht einfache Zusammenhänge: sollte die Lufttemperatur über den
tropischen Meeren ansteigen, so steigt auch die Temperatur der tropsichen Ozeane leicht an.
Kritisch ist, dass erst ab einer Meeresoberflächentemperatur von min. 27°C die Bildung
tropischer Wirbelstürme. Wenn diese kritische Wassertemperatur künftig häufiger bzw. längere
Zeit im Jahr erreicht wird, ist auch mit einer Zunahme der gefährlichen tropischen
Wirbelstürme zu rechnen.
Die global gemittelte Temperatur wird weiter ansteigen
Die global gemittlete Temperatur dürfte nach derzeitigen
Modellergebnissen in den nächsten 100 Jahren um
voraussichtlich 1°C bis 3°C ansteigen. Ein Mehr an potentieller Energie scheint also zumindest
schon einmal fast sicher zu sein.
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