Die Jahreszeiten
Die Sonne ist der Antriebsmotor für alle Zirkulationssysteme
in der Erdatmosphäre. Durch einen im Laufe eines Jahres
variierenden Einfallswinkel der Sonnenstrahlung entstehen die Jahreszeiten.
Wie genau, das ist der Inhalt dieses Kapitels.
Die Bahn der Erde um die Sonne
Möchte man das Auftreten unterschiedlicher
Jahreszeiten verstehen, so sind folgende astronomische Grundlagen zu berücksichtigen:
- Die Erde umrundet die Sonne innerhalb eines Zeitraums von
einem Jahr auf einer leicht
elliptischen Bahn genau einmal. Die Sonne steht dabei in einem Brennpunkt
dieser Ellipse. (siehe Abbildung 1)
- Die Umlaufbahn der Erde um die Sonne liegt innerhalb einer
gedachten Ebene, die man Ekliptik nennt.
- Die Erde selbst rotiert einmal innerhalb von 24 Stunden
um ihre eigene Rotationsachse.
- Die Rotationsachse der Erde ist um einen konstanten Winkel von rund 23,5°
gegen die Senkrechte auf die Ekliptik geneigt. (siehe Abbildung 2)
![Abbildung 1: Elliptische Bahn der Erde um die Sonne
[Quelle: Liljequist, Cehak: Allgemeine Meteorologie]](/themen/jpg/umlauf.gif)
Abbildung 1: Elliptische Bahn der Erde um die Sonne [Quelle: Liljequist, Cehak: Allgemeine Meteorologie]
Der Einfallswinkel der Sonnenstrahlung
Die obigen Punkte haben zur Folge, daß sich der Einfallswinkel der
Sonnenstrahlung gegen die Erdoberfläche im Laufe eines Jahres ändert.
So steht zum Beispiel auf der Nordhalbkugel die Sonne im Sommer
hoch am Himmel, während sie im Winter tief steht. Man beobachtet
weiter, daß ein hoher Sonnenstand auf der Nordhalbkugel
mit einem tiefen auf der Südhalbkugel und umgekehrt einhergeht.
Während also in Deutschland im Sommer die Sonne hoch am Himmel
steht, steht sie z.B. in Südafrika tief am Himmel. Abbildung 2
zeigt den Einfallswinkel der Sonnenstrahlung (am Mittag)
zur Sommersonnenwende (a) und Wintersonnenwende (b) der Nordhalbkugel.
![Einfallswinkel der Sonnenstrahlung (am Mittag) zur
Sommersonnenwende (a) und Wintersonnenwende (b) der Nordhalbkugel.
[Quelle: Liljequist, Cehak: Allgemeine Meteorologie]](/themen/jpg/strahl.gif)
Abbildung 2: Einfallswinkel der Sonnenstrahlung (am Mittag) zur
Sommersonnenwende (a) und Wintersonnenwende (b) der Nordhalbkugel.
[Quelle: Liljequist, Cehak: Allgemeine Meteorologie]
Anhand von Abbildung 2 erkennt man desweiteren, daß die Sonne
prinzipiell nur zwischen 23,5° nördlicher und 23,5° südlicher
Breite im Laufe eines Jahres im lokalen Zenit (d.h. der Einfallswinkel
beträgt lokal 90°) stehen kann. Da der lokale Zenit im Laufe
eines Jahres gleichmäßig einmal zwischen 23,5° Nord und 23,5°
Süd hin- und herwandert, steht die Sonne zwischen 23,5° Nord
und 23,5° Süd zwei mal pro Jahr im Zenit, jedoch bei exakt 23,5°
Nord und 23,5° Süd jeweils nur einmal. Man nennt daher diese
Breitenkreise den nördlichen und südlichen Wendekreis. Nördlich
des nördlichen Wendekreises und südlich des südlichen Wendekreises
steht die Sonne offensichtlich nie im Zenit.
Sommer- und Wintersonnenwende
Der Einfallswinkel der Sonne schwankt demnach an den beiden Wendekreisen
zwischen 66,5° (= 90° - 23,5°) und 90° (= lokaler Zenit).
Der Tag im Jahr, an welchem die Sonne am nördlichen Wendekreis
im Zenit steht, heißt auf der Nordhalbkugel Sommersonnenwende
(21. Juni). Der Tag im Jahr, an welchem die Sonne am südlichen
Wendekreis im Zenit steht, heißt auf der Nordhalbkugel
Wintersonnenwende (21. Dezember). Auf der Südhalbkugel
gelten die umgekehrten Namen. Abbildung 2 zeigt die Einstrahlungsverhältnisse
an genau diesen Tagen.
Polarnacht, Polarkreis, Mitternachtssonne, Jahreszeiten
- Da in den Gebieten zwischen den beiden Wendekreisen das ganze
Jahr hindurch ein hoher Sonnenstand herrscht, ist es in diesen
Breiten auch ganzjährig sehr warm. Es trifft hier einfach pro Einheitsfläche eine sehr große
Energiemenge auf den Erdboden.
- Am Nordpol gibt es zwischen 66,5° Nord und 90° Nord Zeiträume
mit ganztägiger Nacht (Polarnacht) und ganztägigem Sonnenlicht
(Mitternachtssonne).
66,5° Nord ist die südlichste Breite (nördlicher Polarkreis), bei der man an genau einem Tag im Jahr
eine Polarnacht bzw. an genau einem Tag im Jahr eine Mitternachtssonne
beobachten kann. Exakt am Nordpol scheint sogar während des gesamten Zeitraums,
in dem der lokale Zenit der Sonne auf der Nordhalbkugel liegt, die Sonne ununterbrochen.
Das andere halbe Jahr hingegen, wenn der lokale Zenit auf der Südhalbkugel liegt,
geht die Sonne dort nicht auf.
Für die Südhalbkugel gelten analoge Verhältnisse, d.h. während z.B. exakt am
Nordpol das erste Mal die Sonne aufgeht und dann für ein halbes Jahr über dem Horizont
stehen bleibt, geht sie exakt am Südpol für ein halbes Jahr lang unter.
- Die wechselnden Einstrahlungsverhältnisse während eines Jahres
sind die Ursache für die Jahreszeiten
(z.B. für die im Sommer bei uns in Deutschland hohen
und im Winter tiefen Temperaturen).
Ergänzende Bemerkungen
Abschließend läßt sich sagen, daß die Sonne zwar nicht die einzige,
aber die einzig bedeutende Energiequelle des globalen Klimasystems ist.
Die unterschiedlichen Einfallswinkel der Sonnenstrahlung
bestimmen maßgeblich die Jahreszeiten. Jenseits der Polarkreise
gibt es sogar Mitternachtssonne und Polarnächte. Dass es während
der Mitternachtssonne an den Polen dennoch nicht warm wird, liegt an
dem sehr flachen Einfallswinkel der Sonnenstrahlung, der zur Folge
hat, daß auf eine gleich große Fläche am Pol deutlich weniger Energie
kommt als auf eine Fläche am Äquator. Hinzu kommt noch die hohe Reflektion
der Sonnenstrahlung an den ausgedehnten
Schnee- und Eisfeldern.
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