Das Wetter im Gebirge
In diesem Kapitel erfahren etwas über die Besonderheiten des Wetters im Gebirge. Insbesondere
erfahren Sie etwas über mögliche Gefahrenquellen, über die man sich bei Bergtouren stets bewußt
sein sollte.
Grundlagen
Stark strukturierte Landschaften wie die
deutschen Mittelgebirge
oder insbesondere auch die Alpen beeinflussen das Wetter lokal
in einem hohem Maße. Ein Grund dafür liefert u.a. die theoretische Überlegung, daß in einer
vertikalen Luftsäule mit beliebiger Grundfläche
etwa die Hälfte der gesamten in dieser Luftsäule enthaltenen Masse
in den unteren 5,5 Kilometern Höhe, also in der unteren Hälfte der
Troposphäre, zu finden ist. Wird z.B. eine
(feuchte)
Luftmasse durch
die Dynamik eines Tiefdruckgebietes gezwungen,
den Alpenhauptkamm, der eine mittlere Höhe von rund 3000 Metern aufweist,
zu überqueren, so werden dort offensichtlich große Luftmengen
vertikal angehoben. Durch die Hebung und die damit verbundene adiabatische
Abkühlung kommt es bei feuchter Luft im Luv des Gebirges rasch
zur Kondensation, also zur Wolkenbildung.

Bild: Wolkenbildung über dem Hochgebirge durch
Talwinde und erzwungene Hebung.
Es setzen ergiebige Regen- oder Schneefälle ein, die erst dann
nachlassen, wenn auch die Zufuhr weiterer feuchter Luftmassen durch
das Tiefdruckgebiet nachläßt oder durch
Winddrehung keine gratsenkrechte
Anströmungskomponente des Windes mehr vorhanden ist. Die
vertikale Stabilität der Atmosphäre
spielt unter diesem Umständen eine eher
untergeordnete Rolle (obschon natürlich eine vorhandene labile oder
potentiell labile Schichtung die
Wolkenbildung durchaus stark begünstigen kann).
Besonderheiten im Winter
Vornehmlich im Winter ergeben sich wegen der weit nach Süden
verschobenen Polarfront
Großwetterlagen, die durch eine nordwestliche
Anströmung der Alpen mit maritimer Polarluft gekennzeichnet sind.
Bei diesen Wetterlagen kann es im Nordstau der Alpen und der
Mittelgebirge stundenlang ergiebig schneien.
Im Tiefland herrscht dagegen nur ein Wechsel zwischen aufgelockerter und starker Bewölkung mit
einzelnen Regen- oder Scheeschauern vor, der die starken Niederschläge
nördlich des Alpenhauptkammes nicht unbedingt erahnen läßt.
Wer also einen winterlichen Ausflug bei einer solchen Wetterlage
in die nördlichen Alpenregionen plant, sollten Sie dies auf jeden
Fall berücksichtigen und entsprechende Winterausrüstung mitnehmen.
Andernfalls sollte man warten, bis die Zufuhr der feuchten Meeresluft
nachgelassen hat und sich auf jeden Fall über evtl. erneut aufziehende
Frontensysteme informieren, die die Anströmung wieder aufleben lassen
könnten. Der Durchgang einer Kaltfront kann zu einem
Wettersturz
in den Nordalpen führen kann, der mit Schneesturm,
Gewittern und stark sinkenden Temperaturen einhergeht und zu einer argen
Überraschung für die Betroffenen werden kann.
Kaltfronten im Gebirge
Eine aufziehende
Kaltfront macht sich optisch sowohl in den
Bergen als auch im Tiefland durch kurzfristig von Nordwesten (meistens!)
her aufziehende, mächtige
Cumulus- und Cumulonimbuswolken bemerkbar.
Gleichzeitig fällt einige Stunden im voraus der
Druck mit zunehmender Tendenz, so daß
trotz des zu diesem Zeitpunkt noch
heiterem Wetters Vorsicht
geboten ist. Da bei Kaltfronten ohnehin die vor der
Front liegenden wärmeren
Luftmassen angehoben
werden, können sich bei vorhandener Orographie die dynamischen Hebungsprozesse
positiv überlagern. Dadurch bilden besonders rasch Schauern und Gewitter.
Lokale Windsysteme
In den Bergen kommt es außerdem regelmäßig zu einer
Kanalisierung
des Windes in tief eingeschnittenen Tälern. Der Wind weht dort
im Gegensatz zu ebenem Gelände häufig parallel zur Talachse
und weicht damit von der in Wetterberichten angegenen
Windrichtung
z.T. stark ab. In flachem Gelände findet man dagegen in der Regel eine
Windrichtung, die um einen Winkel von 15° bis 30° gegen den
Uhrzeigersinn (also nach links) vom
geostrophischen Wind der
freien Atmosphäre abweicht (Blickrichtung in Richtung des Windes,
bei einem Westwind also nach Osten!). Diese Abweichung ist eine
Konsequenz der stets vorhandenen Bodenreibung. Die
in den Wetterberichten angegebenen Windrichungen beziehen sich
in der Regel auf den Reibungswind und nicht auf den geostrophischen Höhenwind.
Desweiteren bilden sich im Gebirge insbesondere an Tagen mit geringer Bewölkung
und hoher Sonneneinstrahlung
Berg- und Talwindsysteme aus, die häufig eine geschlossene,
thermisch direkte Zirkulation bilden.
Wenn sich tagsüber die von der Sonne beschienenen Berghänge aufheizen, können sich
turbulente Hangaufwinde ausbilden. Umgekehrt kühlen am
Abend und in der Nacht bei wolkenarmen Wetter die Berghänge
stärker als die freie Atmosphäre aus und entziehen den
hangnahen Luftschichten einen Teil ihres Wärmegehalts.
Letztere kühlen dadurch aus und beginnen, den Hang als
Bergwind "hinabzufließen".
In abgeschlossenen Bergtälern können
sich so regelrechte Kaltluftseen ausbilden, in denen die Temperaturen
um einige Grade tiefer liegen als oberhalb der Kaltluftschicht.
Meteorologische Messstationen, die in solchen Tälern aufgestellt werden,
liefern keine repräsentativen Temperaturwerte und dienen in letzter Zeit
vermehrt der Panikmache vor immer neuen Extremmesswerten,
die seitens der Medien natürlich im Rahmen des möglichen
Klimawandels gerne aufgegriffen werden.
Tipps zum Verhalten im Gebirge
Wer die Absicht hat, mit einem Drachen, einem
Segelflugzeug oder einem vergleichbaren leichten Fluggerät im
bergigem Gelände und im Hochgebirge zu fliegen, sollte
im Vorfeld des Fluges Ausschau nach evtl. vorhandenen
Cumuluswolken halten. Diese sind nämlich insbesondere
an warmen Strahlungstagen einfach eine sichtbare Folge der oben
beschriebenen Hangaufwinde und markieren daher Regionen, in denen
bevorzugt mit turbulenten Windverhältnissen zu rechnen ist.
Jedes Jahr mißachten einige Drachen- und Segelflieger diese natürlichen
Hinweise und verunglücken daher tragisch mit ihren Fluggeräten.
Es sollte immer darauf geachtet werden, welche vertikale
Mächtigkeit und horizontale Ausdehnung die entstehenden Haufenwolken
in kurzen Zeiträumen von etwa einer Stunde bekommen, denn bei besonders
kräftigen Quellungen
ist dies ein Hinweis auf eine vorhandene labile Luftschichtung,
die möglicherweise auch die Bildung lokaler Wärmegewittern ermöglicht.
Verhalten bei Gewittern im Gebirge
Gewitter stellen im Gebirge ohnehin eine wesentlich größere Gefahr durch
die Nähe zur Wolkenuntergrenze dar. Viele
Blitze,
die im Tiefland den Boden gar nicht erreichen, erreichen ihn
im Gebirge sehr wohl, was zu häufigeren Blitzeinschlägen führt.
Meiden Sie bei Gewittern unbedingt frei stehende Bäume und Waldränder
und versuchen Sie, nicht selbst als einzige Erhöhung im weiteren
Umkreis zu fungieren. Der sicherste Aufenthaltsort ist ein geschlossener
Waldbestand, da die dicht stehenden Bäume potentielle Blitzeinschläge
wie bei einem Faradaykäfig nach außen ableiten. Nur falls absolut keine
andere Möglichkeit besteht, kann man sich möglichst klein machen
(in die Hocke gehen, Kauerstellung) und die Füße möglichst eng zusammenstellen.
Föhnwetterlagen
Weiter stellt im Hochgebirge der
Föhn ein meteorologisches Phänomen dar,
welchem bei Ausflügen in die Berge Beachtung geschenkt werden sollte.
Zu erkennen ist die Föhnwetterlage
auf der Leeseite des Gebirgszuges an den
typischen Föhnwolken
(lat. Altocumulus lenticularis), die eine sichtbare Folge von
induzierten Schwerewellen sind, und am Hauptkamm des betreffenden
Gebirges durch eine Föhnmauer, d.h. eine meist eindrucksvoll über
den Hauptgrat lappende Wolkenmasse:
Bei Föhnwetterlagen ist auf längerfristige Bergaufstiege
zu verzichten, da der Zusammenbruch des Föhnsturms plötzlich und ohne erkennbare Anzeichen
erfolgen kann und danach mit rasch einsetzenden, lang anhaltenden Niederschlägen und
kräftig sinkenden Temperaturen zu rechnen ist.
Schlußbemerkungen
Bei jeder geplanten Gebirgstour sollte im Vorfeld die Großwetterlage anhand eines
amtlichen Wetterberichtes sowie evtl. anhand von Höhenwetterkarten
(siehe auch Langfristvorhersagen)
auf herannahende Kaltfronten, Föhnanzeichen, und Wärmegewitter hin zu überprüfen.
Wenn alle möglichen Gefahrenpotentiale ausgeschlossen werden können,
steht einer erfolgreichen Bergtour nichts im Wege.
Besonders empfehlenswert sind winterliche Hochdruckwetterlagen mit einer
trocken-arktischen Kaltluftzufuhr aus Osten oder Nordosten. An diesen Tagen
ist es zwar extrem kalt, aber die
Sichtverhältnisse sind in den Höhenlagen
hervorragend und meist bietet sich ein grandioses Schneepanorama.
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